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EU AI Act: Pflichten ab August 2026

AutorGeschäftsführer, Datenanalyse und Strategie
Fachlich geprüft vonWaldemar DenkeLead Entwickler
Zuletzt aktualisiert
Auf einen Blick: Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten, die Hochrisiko-Pflichten erst ab Dezember 2027. Verstöße können bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes kosten. Jetzt handeln ist günstiger als später nachbessern.

4 Min. Lesezeit

Aktualisiert am 19. August 2026

Dieser Beitrag erschien im Juni 2026 und nannte den 2. August 2026 als Stichtag für die vollständige Geltung. Das trifft seit dem AI Omnibus nicht mehr zu: Die Verordnung (EU) 2026/1744 ist am 27. Juli 2026 in Kraft getreten und verschiebt die Pflichten für Hochrisiko-Systeme auf den 2. Dezember 2027 (eigenständige Systeme nach Anhang III) beziehungsweise den 2. August 2028 (in Produkte eingebettete Systeme nach Anhang I). Nicht verschoben wurden die Verbote, die Pflichten für Anbieter allgemeiner KI-Modelle und die Transparenzpflichten nach Artikel 50. Die betroffenen Stellen im Text sind berichtigt.

Der EU AI Act ist das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz und er betrifft nahezu jedes Unternehmen in Deutschland, das KI einsetzt, entwickelt oder vertreibt. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50. Die deutlich aufwendigeren Pflichten für Hochrisiko-Systeme greifen erst ab dem 2. Dezember 2027, für in Produkte eingebettete Systeme ab dem 2. August 2028. Der zusätzliche Zeitraum verringert den Aufwand nicht, er verschiebt ihn nur.

Wie der EU AI Act KI klassifiziert

Das Gesetz ordnet KI-Systeme in vier Risikostufen ein. Verbotene KI (Stufe 1) umfasst Anwendungen wie Social Scoring durch Behörden, biometrische Echtzeit-Überwachung im öffentlichen Raum oder Systeme, die Verhaltensmanipulation betreiben. Hochrisiko-KI (Stufe 2) betrifft Systeme in kritischen Bereichen: Personal und Recruiting, Kreditvergabe, Bildungszugang, Strafverfolgung, medizinische Diagnose und kritische Infrastruktur. Hier gelten die strengsten Pflichten.

Darunter folgen KI mit spezifischen Transparenzpflichten (z. B. Chatbots, die sich als KI kenntlich machen müssen) und minimales Risiko (z. B. Spamfilter, einfache Bildklassifikatoren), für die keine besonderen Anforderungen gelten.

Was Hochrisiko-KI konkret bedeutet

Wer ein Hochrisiko-KI-System betreibt oder einsetzt, muss folgende Anforderungen erfüllen: Ein Risikomanagementsystem, das den gesamten Lebenszyklus des Systems abdeckt. Technische Dokumentation, die Architektur, Trainingsdaten, Testverfahren und Genauigkeitskennzahlen beschreibt. Automatisierte Protokollierung (Logging) aller relevanten Ereignisse. Transparenz gegenüber Nutzern über Zweck und Einschränkungen des Systems. Menschliche Aufsicht mit klar definierten Eingriffsmöglichkeiten. Und eine Konformitätsbewertung, die vor Inbetriebnahme abgeschlossen sein muss.

Welche deutschen Unternehmen besonders betroffen sind

Viele Unternehmen unterschätzen, wie weit der Anwendungsbereich reicht. Ein mittelständisches Unternehmen, das KI-gestützte Bewerbungsvorauswahl betreibt auch durch ein extern eingekauftes HR-Tool ist betroffen. Ein Finanzdienstleister, der einen Algorithmus zur Kreditwürdigkeitsprüfung einsetzt, ist betroffen. Ein Krankenhaus, das eine KI-gestützte Diagnosesoftware nutzt, ist betroffen. Die Pflichten gelten nicht nur für Hersteller, sondern auch für Nutzer und Importeure von KI-Systemen.

Was sofort zu tun ist: Die Drei-Schritte-Methode

Schritt 1: KI-Inventar erstellen. Dokumentieren Sie alle KI-Systeme, die Ihr Unternehmen entwickelt, einsetzt oder beschafft. Prüfen Sie für jedes System die Risikokategorie nach AI Act. Oft sind Unternehmen überrascht, wie viele ihrer Standardtools unter die Regulierung fallen von HR-Software über CRM-Systeme bis hin zu Qualitätskontrollsoftware.

Schritt 2: Lückenanalyse durchführen. Vergleichen Sie den Ist-Stand Ihrer Dokumentation und Governance-Prozesse mit den gesetzlichen Anforderungen. Wo fehlen Risikoanalysen? Wo fehlt Logging? Wo muss die Nutzerinformation angepasst werden?

Schritt 3: Priorisieren und umsetzen. Nicht alles lässt sich gleichzeitig angehen. Beginnen Sie mit den Hochrisiko-Systemen, da dort die Bußgelder und die Reputationsrisiken am größten sind.

Was sollten Sie jetzt tun?

Erstellen Sie zunächst eine Übersicht aller KI-Systeme in Ihrem Unternehmen und prüfen Sie deren Risikoklasse. Viele KMUs unterschätzen, wie viele ihrer eingekauften Software-Tools KI enthalten und damit unter den AI Act fallen. Eine strukturierte KI-Bestandsaufnahme ist der erste und wichtigste Schritt zur Compliance.

Hinzu kommt: Selbst wenn Ihre Systeme als niedrig-riskant eingestuft werden, gelten ab August 2026 Transparenzpflichten Nutzer müssen wissen, wenn sie mit KI interagieren. Das betrifft Chatbots, KI-generierte Inhalte und automatisierte Entscheidungsprozesse gleichermaßen.

KIBrains Redaktion

KI-Beratung für Unternehmen

Das KIBrains-Team besteht aus KI-Strategen, Entwicklern und Unternehmensberatern mit Fokus auf den deutschen Mittelstand. Seit 2023 begleiten wir Unternehmen bei der strategischen und operativen Einführung von KI-Systemen – von der ersten Use-Case-Analyse bis zum produktiven Betrieb.

Häufige Fragen

Gilt der EU AI Act auch für kleine Unternehmen?

Ja, grundsätzlich gilt er für alle Unternehmen, die KI-Systeme in der EU einsetzen unabhängig von der Unternehmensgröße. Allerdings gibt es für KMUs erleichterte Dokumentationsanforderungen und der AI Act sieht Unterstützungsmaßnahmen für kleinere Unternehmen vor.

Wann drohen die ersten Bußgelder?

Verstöße gegen die Verbote und die Transparenzpflichten können die Sanktionsbehörden der EU-Mitgliedstaaten bereits verfolgen. Bei den Hochrisiko-Pflichten beginnt die Durchsetzung erst mit den verschobenen Fristen. In der Praxis werden die Behörden zunächst bei systematischen Verstößen großer Anbieter aktiv sein, aber Unternehmen sollten sich nicht auf Nachsicht verlassen.

Zählt ChatGPT als Hochrisiko-KI?

Nein, ein allgemeines Sprachmodell wie ChatGPT ist kein Hochrisiko-System per se. Hochrisiko entsteht durch den konkreten Verwendungszweck wenn Sie ChatGPT für Personalentscheidungen nutzen, können entsprechende Pflichten entstehen.

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