Mo - Fr 09:00 - 18:00 Uhr | 0221 / 177 347 40 | hello@kibrains.de
DSGVO-konform 700+ Projekte
Werktags Mo - Fr 09:00 - 18:00 Uhr Tel.: 0221 / 177 347 40 Mail: hello@kibrains.de
Baustein 14 der Wissensdatenbank

KI-Richtlinie und KI-Kompetenz
Sicher und wirksam mit KI arbeiten, mit Muster zum Anpassen

Der EU AI Act verlangt von Unternehmen, den Aufbau von KI-Kompetenz zu unterstützen. Eine gute Richtlinie und passende Schulungen erfüllen diese Pflicht und geben den Mitarbeitenden Sicherheit im Alltag. Diese Seite erklärt die Rechtslage, zeigt wirksame Formate und enthält eine Musterrichtlinie.

Zuletzt aktualisiert: September 2026Redaktion: Georgios Mavrommatis, GeschäftsführerFachliche Prüfung: Waldemar Denke, Lead EntwicklerLesedauer: ca. 16 Minuten
Ausgangspunkt

Warum gehören Richtlinie und Kompetenz zusammen?

Weil beide dasselbe Ziel haben: KI sicher und wirksam nutzen. Die Richtlinie beschreibt den Rahmen, die Kompetenz macht ihn im Alltag lebendig. Wer weiß, wie ein Sprachmodell arbeitet, versteht auch, warum die Richtlinie bestimmte Daten bestimmten Werkzeugen zuordnet.

Der EU AI Act verbindet beides. Artikel 4 verlangt seit dem AI Omnibus, den Aufbau von KI-Kompetenz zu unterstützen, und eine Richtlinie ist einer der wirksamsten Bausteine dafür. Gleichzeitig profitieren Unternehmen unmittelbar: Mitarbeitende arbeiten sicherer, die Qualität der Ergebnisse steigt, und neue Werkzeuge lassen sich geordnet einführen.

Diese Seite geht beides durch: die Rechtslage nach dem AI Omnibus, die Bedeutung von Artikel 4, die Gruppen und ihre Schulungen, den Nachweis, den Aufbau einer Richtlinie mit Muster, die Datenklassen, die Offenlegung nach Artikel 50, die Einführung und die Pflege. Sie gibt den Stand vom September 2026 wieder und ersetzt die rechtliche Beratung im Einzelfall nicht, sondern bereitet sie gut vor.

Selbsttest4 Fragen, unter einer Minute

Wie weit ist Ihr Haus bei Richtlinie und Kompetenz?

Vier kurze Fragen. Danach sehen Sie, welche Kapitel für Sie zuerst zählen.

1Gibt es eine schriftliche KI-Richtlinie?
2Ist festgelegt, welche Daten in welches Werkzeug dürfen?
3Haben Mitarbeitende mit KI-Zugang eine Einführung am eigenen Vorgang erhalten?
4Setzen Sie einen Chatbot ein oder veröffentlichen Sie erzeugte Bilder oder Videos?
Ihre Auswertung
    Lesen Sie zuerst
      Ihr Ergebnis im Erstgespräch besprechen

      Ihre Antworten übernehmen wir in das Kontaktformular. Dort ergänzen Sie, was Ihnen wichtig ist. Das Erstgespräch ist kostenfrei.

      Ergebnis besprechen
      Kapitel 01

      Was verlangt der EU AI Act von Unternehmen, die KI nutzen?

      Die Stichtage im Überblick, Stand nach dem AI Omnibus.

      Für die meisten Unternehmen zählen heute zwei Pflichten: KI-Kompetenz fördern und Transparenz herstellen. Der EU AI Act gilt seit 2024 und wird in Stufen wirksam. Mit dem AI Omnibus, der Verordnung (EU) 2026/1744, wurden die Pflichten für Hochrisiko-Systeme verschoben. Die übrigen Stufen gelten wie geplant.

      Stichtage des AI ActVerbote und KI-Kompetenz seit Februar 2025, Anbieter allgemeiner Modelle seit August 2025, Transparenz seit August 2026, Ende der Übergangsfrist im Dezember 2026, Hochrisiko nach Anhang III ab Dezember 2027.2. Februar 2025Verbote undKI-Kompetenz2. August 2025Anbieter allgemeinerKI-Modellegilt2. August 2026Transparenz nachArtikel 502. Dezember 2026Übergangsfrist derKennzeichnung endet2. Dezember 2027Hochrisiko nachAnhang III
      Stichtage des AI ActVerbote und KI-Kompetenz seit Februar 2025, Anbieter allgemeiner Modelle seit August 2025, Transparenz seit August 2026, Ende der Übergangsfrist im Dezember 2026, Hochrisiko nach Anhang III ab Dezember 2027.2. Februar 2025Verbote undKI-Kompetenz2. August 2025Anbieter allgemeinerKI-Modelle2. August 2026giltTransparenz nachArtikel 502. Dezember 2026Übergangsfrist derKennzeichnung endet2. Dezember 2027Hochrisiko nachAnhang III
      Stand nach dem AI Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744. Hochrisiko-Systeme nach Anhang I folgen am 2. August 2028.
      PflichtStichtagStand
      Verbote bestimmter Praktiken2. Februar 2025gilt
      Förderung der KI-Kompetenz nach Artikel 42. Februar 2025gilt, seit dem AI Omnibus als Pflicht zur Unterstützung
      Pflichten für Anbieter allgemeiner KI-Modelle2. August 2025gilt
      Transparenzpflichten nach Artikel 502. August 2026gilt
      Kennzeichnung: Übergangsfrist für bestehende Systeme2. Dezember 2026läuft ab
      Hochrisiko-Systeme nach Anhang III2. Dezember 2027verschoben
      Hochrisiko-Systeme nach Anhang I2. August 2028verschoben

      Entscheidend ist die Rolle, in der Sie handeln. Anbieter ist, wer ein KI-System entwickelt und unter eigenem Namen auf den Markt bringt. Betreiber ist, wer ein System im eigenen Namen einsetzt. Die meisten Unternehmen sind Betreiber der Werkzeuge, die sie nutzen, und für Betreiber sind die Pflichten überschaubar und gut umsetzbar.

      Die Einzelheiten zu Kennzeichnung und Stichtagen beschreibt unser Fachbeitrag zum AI Omnibus. Wie der Datenschutz hinzukommt, erklärt der Beitrag zu DSGVO und KI.

      Was ist ein Hochrisiko-System?

      Ein System in Bereichen, die der AI Act ausdrücklich nennt, etwa Personalauswahl, Kreditwürdigkeit, Zugang zu Bildung oder bestimmte Sicherheitsbauteile von Produkten. Für diese Systeme gelten umfangreiche Anforderungen, die nach dem AI Omnibus ab Dezember 2027 beziehungsweise August 2028 greifen. Für KI als Sicherheitsbauteil einer Maschine kommen die Anforderungen seit dem AI Omnibus über die Maschinenverordnung; die Einzelheiten stehen in Baustein 20. Die meisten Anwendungen im Büroalltag gehören nicht dazu.

      Welche Übersicht sollte jedes Unternehmen führen?

      Eine Liste der eingesetzten KI-Werkzeuge und -Systeme: wofür sie genutzt werden, welche Daten sie verarbeiten, wer zuständig ist und in welcher Rolle Sie handeln. Diese Liste ist die Grundlage für Richtlinie, Schulung und jede weitere Frage zum AI Act.

      Als Nächstes · Kapitel 02Was KI-Kompetenz nach Artikel 4 bedeutet
      Kapitel 02

      Was bedeutet KI-Kompetenz nach Artikel 4?

      Eine Pflicht zur Unterstützung, mit Raum für eigene Wege.

      Unternehmen unterstützen den Aufbau von KI-Kompetenz. So lautet die Pflicht seit dem AI Omnibus. Anbieter und Betreiber treffen Maßnahmen für ihre Beschäftigten und für Personen, die in ihrem Auftrag mit KI-Systemen arbeiten. Ein bestimmtes Niveau, das jede Person erreichen muss, schreibt die Verordnung nicht vor.

      Bis zum Sommer 2026 verlangte der Wortlaut, ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz sicherzustellen. Aus dieser Erfolgspflicht ist eine Bemühenspflicht geworden. Das gibt Unternehmen die Freiheit, Maßnahmen zu wählen, die zu ihren Aufgaben passen, und macht die Dokumentation dieser Maßnahmen zum Kern des Nachweises.

      Kommission und Mitgliedstaaten unterstützen die Umsetzung mit Beispielen und Empfehlungen. Die Europäische Kommission veröffentlicht dazu Fragen und Antworten sowie eine Sammlung von Praxisbeispielen. Beides ist eine gute Orientierung für die eigene Planung.

      KI-Kompetenz umfasst nach der Begriffsbestimmung der Verordnung Fähigkeiten, Kenntnisse und Verständnis, die einen sachkundigen Einsatz ermöglichen und ein Bewusstsein für Chancen, Risiken und mögliche Schäden schaffen. Das ist eine hilfreiche Gliederung für jede Schulung: Was kann das Werkzeug, wie nutze ich es gut, worauf achte ich?

      Gilt die Pflicht auch für kleine Unternehmen?

      Ja, für alle Anbieter und Betreiber, unabhängig von der Größe. Der Umfang der Maßnahmen richtet sich aber nach den eingesetzten Systemen, den Aufgaben und dem Wissensstand der Beteiligten. Für ein kleines Unternehmen mit einem Textassistenten genügt eine kurze, gut gemachte Einführung mit Richtlinie.

      Zählen auch Dienstleister und freie Mitarbeitende?

      Die Pflicht erfasst Personen, die in Ihrem Auftrag mit Ihren KI-Systemen arbeiten. Bei Dienstleistern lässt sich das gut über den Vertrag regeln, etwa mit der Zusage, dass eingesetzte Personen geschult sind und Ihre Richtlinie kennen.

      Als Nächstes · Kapitel 03Wer welche Kompetenz braucht
      Kapitel 03

      Wer braucht welche KI-Kompetenz?

      Fünf Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben.

      Kompetenz richtet sich nach der Aufgabe. Wer gelegentlich Texte entwerfen lässt, braucht anderes Wissen als jemand, der ein KI-System im Kundenservice verantwortet. Eine Einteilung in wenige Gruppen macht die Planung einfach und die Schulungen treffsicher.

      GruppeWas sie können solltePassendes Format
      Alle Mitarbeitenden mit KI-ZugangStärken und Grenzen von Sprachmodellen, Umgang mit Daten, Prüfen von Ergebnissen, die eigene RichtlinieKurze Einführung am eigenen Vorgang, jährliche Auffrischung
      Intensive Nutzer im FachbereichGute Anweisungen, Arbeiten mit Quellen, typische Fehlerbilder, Grenzen des eigenen WerkzeugsWerkstatt mit echten Fällen, Austausch im Team
      FührungskräfteEinsatzfelder bewerten, Wirkung messen, Verantwortung für Ergebnisse, Umgang mit Veränderungen im TeamKompaktformat mit Entscheidungsfragen
      IT und DatenschutzBetriebswege, Verträge, Rechte, Protokolle, Sicherheitsrisiken wie Prompt InjectionFachschulung, Herstellerunterlagen, Austausch mit Dienstleistern
      Verantwortliche für KI-SystemePrüfsatz, Kennzahlen, Modellwechsel, Meldewege, Pflichten nach dem EU AI ActVertiefung entlang des eigenen Systems

      Die erste Gruppe ist die größte und die wichtigste. Hier entsteht die Sicherheit im Alltag: Wer weiß, wie ein Sprachmodell arbeitet, prüft Ergebnisse mit dem richtigen Blick und geht bewusst mit Daten um. Eine gute Einführung für diese Gruppe hat die größte Wirkung auf Qualität und Sicherheit.

      Wie sich Kompetenz im Unternehmen insgesamt aufbauen lässt, von der Pilotgruppe bis zur ganzen Belegschaft, beschreibt Baustein 04.

      Was sollte jeder über Sprachmodelle wissen?

      Drei Dinge: Ein Sprachmodell formuliert plausibel, und plausibel ist nicht immer richtig. Es kennt Ihr Unternehmen nur aus dem, was Sie ihm mitgeben. Und was Sie eingeben, wird verarbeitet, deshalb zählt das Werkzeug. Wer diese drei Punkte verinnerlicht hat, nutzt KI sicher und wirksam.

      Wie erkennt man den Schulungsbedarf?

      Mit einer kurzen Abfrage: Welche Werkzeuge werden genutzt, wofür und wie sicher fühlen sich die Mitarbeitenden damit? Zusammen mit der Liste der KI-Systeme ergibt das ein klares Bild, welche Gruppe welche Maßnahme braucht.

      Als Nächstes · Kapitel 04Wie wirksam geschult wird
      Kapitel 04

      Wie schult man KI-Kompetenz wirksam?

      Am eigenen Vorgang, in kurzen Formaten, mit Wiederholung.

      Am besten lernt man KI an der eigenen Arbeit. Eine Schulung mit echten Aufgaben aus der Abteilung verbindet Wissen und Anwendung. Die Teilnehmenden gehen mit Ergebnissen hinaus, die sie am nächsten Tag nutzen können.

      • Eigene Fälle statt Beispiele von der Stange. Die Abteilung bringt drei bis fünf typische Aufgaben mit, und genau diese werden gemeinsam gelöst.
      • Kurze Einheiten. Mehrere kurze Termine wirken stärker als ein langer Schulungstag, weil zwischen den Terminen geübt wird.
      • Gute und schwache Ergebnisse zeigen. Wer sieht, wie ein plausibles, aber falsches Ergebnis aussieht, prüft danach aufmerksamer.
      • Die Richtlinie erklären. Datenklassen und freigegebene Werkzeuge werden an Beispielen besprochen, nicht nur verteilt.
      • Ansprechpersonen benennen. Eine Person im Team, die weiterhilft, verankert das Gelernte im Alltag.

      Ergänzend helfen kleine Formate im Alltag: eine Sammlung bewährter Anweisungen je Abteilung, ein kurzer Austausch im Teamtermin, eine Seite mit Fragen und Antworten. So wächst die Kompetenz auch zwischen den Schulungen weiter. Hinweise für gute Anweisungen gibt unser Beitrag zum Prompt Engineering.

      Eignen sich Online-Kurse?

      Für Grundlagen ja, besonders als Vorbereitung. Die Übertragung auf die eigene Arbeit gelingt am besten im gemeinsamen Termin mit echten Aufgaben. Eine Kombination aus kurzem Online-Kurs und Werkstatt in der Abteilung verbindet beides gut.

      Wie oft sollte aufgefrischt werden?

      Mindestens einmal im Jahr und immer dann, wenn neue Werkzeuge eingeführt werden oder sich die Richtlinie ändert. Werkzeuge entwickeln sich schnell, und eine kurze Auffrischung hält das Wissen auf dem aktuellen Stand.

      Als Nächstes · Kapitel 05Wie die Maßnahmen dokumentiert werden
      Kapitel 05

      Wie dokumentiert man die Maßnahmen zur KI-Kompetenz?

      Sechs Angaben, die den Nachweis tragen.

      Der Nachweis der Maßnahmen ist der Kern der Pflicht. Mit der Bemühenspflicht zählt, was Sie unternommen haben. Eine einfache, laufend geführte Übersicht genügt dafür vollkommen.

      AngabeInhaltWo sie herkommt
      WerName oder Rolle, AbteilungTeilnehmerliste, Lernplattform
      WasInhalte und Ziele der MaßnahmeAgenda, Unterlagen
      WannDatum und DauerKalender, Lernplattform
      WofürBezug zum Werkzeug oder VorgangKurzbeschreibung
      RichtlinieKenntnisnahme der KI-RichtlinieBestätigung, digital oder schriftlich
      Nächster TerminAuffrischung oder VertiefungPlan für das folgende Jahr

      Viele Unternehmen führen diese Übersicht in einer Tabelle oder in der vorhandenen Lernplattform. Wichtig ist, dass sie laufend gepflegt wird und die Verbindung zwischen Werkzeug, Gruppe und Maßnahme erkennbar ist. Dann beantwortet sie jede Nachfrage in wenigen Minuten.

      Braucht es ein Zertifikat?

      Die Verordnung verlangt kein Zertifikat. Teilnahmebestätigungen können den Nachweis ergänzen, entscheidend sind aber Inhalt und Bezug zur eigenen Arbeit. Eine gut dokumentierte interne Schulung ist ein ebenso guter Nachweis wie ein externer Kurs.

      Als Nächstes · Kapitel 06Was in eine KI-Richtlinie gehört
      Kapitel 06

      Was gehört in eine KI-Richtlinie?

      Zehn Abschnitte, kurz und verständlich.

      Eine gute KI-Richtlinie passt auf wenige Seiten und beantwortet die Fragen des Alltags. Welche Werkzeuge darf ich nutzen? Welche Daten darf ich eingeben? Was prüfe ich, bevor ich ein Ergebnis verwende? An wen wende ich mich?

      AbschnittWas er regelt
      Zweck und GeltungWofür die Richtlinie da ist und für wen sie gilt
      GrundsatzKI unterstützt, die Verantwortung bleibt beim Menschen
      WerkzeugeWelche Werkzeuge freigegeben sind und wie man Zugang erhält
      DatenWelche Daten mit welchem Werkzeug verarbeitet werden dürfen
      PrüfungWie Ergebnisse geprüft werden, bevor sie verwendet werden
      OffenlegungWann der Einsatz von KI kenntlich gemacht wird
      Rechte DritterUrheberrecht, Geschäftsgeheimnisse, Persönlichkeitsrechte
      Neue WerkzeugeWie ein Werkzeug zur Freigabe vorgeschlagen wird
      KompetenzWelche Schulung vorgesehen ist
      AnsprechpersonenWer bei Fragen und Vorfällen hilft

      Die Sprache entscheidet über die Wirkung. Eine Richtlinie, die Möglichkeiten beschreibt und klare Wege aufzeigt, wird gelesen und befolgt. Deshalb beginnt sie mit dem Grundsatz, dass KI die Arbeit unterstützt, und erklärt dann, wie das sicher gelingt.

      Die Details, die sich häufig ändern, stehen in Anlagen: die Liste der freigegebenen Werkzeuge und die Datenklassen mit Beispielen. So bleibt die Richtlinie selbst stabil, und die Anlagen werden bei Bedarf aktualisiert.

      Wer sollte die Richtlinie erarbeiten?

      Eine kleine Gruppe aus Geschäftsführung, IT, Datenschutz und einem Fachbereich, der KI bereits nutzt, dazu früh der Betriebsrat. Die Nutzerperspektive ist besonders wertvoll, weil sie zeigt, welche Fragen im Alltag wirklich auftauchen.

      Als Nächstes · Kapitel 07Musterrichtlinie zum Anpassen
      Kapitel 07

      Wie kann eine KI-Richtlinie konkret aussehen?

      Ein Muster mit elf Abschnitten zum Anpassen an Ihr Haus.

      Das folgende Muster ist ein Ausgangspunkt. Passen Sie es an Ihre Werkzeuge, Ihre Datenklassen und Ihre Organisation an, und stimmen Sie es mit Datenschutz, Betriebsrat und bei Bedarf mit rechtlicher Beratung ab. Die Stellen in eckigen Klammern ergänzen Sie.

      Musterrichtlinie für den Einsatz von KI

      1. Zweck und Geltungsbereich. Diese Richtlinie regelt den Einsatz von Werkzeugen mit künstlicher Intelligenz bei der [Firma]. Sie gilt für alle Mitarbeitenden, Auszubildenden und für Dienstleister, die in unserem Auftrag mit unseren Daten arbeiten. Ziel ist, KI sicher, wirksam und im Einklang mit Recht und Vertrauen unserer Kunden zu nutzen.

      2. Grundsatz. Wir nutzen KI, um unsere Arbeit zu unterstützen und zu verbessern. Verantwortlich für jedes Ergebnis bleibt die Person, die es verwendet. KI-Ergebnisse sind Vorschläge und werden vor ihrer Verwendung geprüft.

      3. Freigegebene Werkzeuge. Wir stellen für die Arbeit freigegebene KI-Werkzeuge mit Unternehmenskonten bereit. Die aktuelle Liste steht in Anlage 1. Für dienstliche Aufgaben nutzen wir diese Werkzeuge über die Unternehmenskonten.

      4. Umgang mit Daten. Welche Daten mit welchem Werkzeug verarbeitet werden, richtet sich nach der Datenklasse in Anlage 2: öffentlich, intern, vertraulich, streng vertraulich. Personenbezogene Daten verarbeiten wir nur mit Werkzeugen, für die ein Auftragsverarbeitungsvertrag besteht, und nur im erforderlichen Umfang.

      5. Prüfung der Ergebnisse. Wir prüfen KI-Ergebnisse auf sachliche Richtigkeit, Vollständigkeit und Tonfall. Ergebnisse, die an Kunden, Partner oder die Öffentlichkeit gehen, liest vor dem Versand eine fachkundige Person.

      6. Offenlegung. Wenn Menschen mit einem KI-System kommunizieren, etwa mit einem Chatbot, machen wir das erkennbar. Künstlich erzeugte oder veränderte Bilder, Videos und Tonaufnahmen, die echt wirken, kennzeichnen wir. Weitere Fälle regelt die Ansprechperson nach Abschnitt 10.

      7. Rechte Dritter. Wir achten Urheberrechte, Geschäftsgeheimnisse und Persönlichkeitsrechte. Vertrauliche Unterlagen von Kunden und Partnern verarbeiten wir nur im Rahmen der vereinbarten Zwecke.

      8. Neue Werkzeuge. Wer ein weiteres Werkzeug nutzen möchte, schlägt es der Ansprechperson vor. Wir prüfen Vertrag, Verarbeitungsort und Sicherheit und nehmen geeignete Werkzeuge in Anlage 1 auf.

      9. Kompetenz. Alle Mitarbeitenden mit Zugang zu KI-Werkzeugen erhalten eine Einführung, die auf ihre Aufgaben zugeschnitten ist, und eine regelmäßige Auffrischung. Wir dokumentieren die Maßnahmen.

      10. Ansprechpersonen und Meldungen. Ansprechperson für Fragen zu dieser Richtlinie ist [Name, Funktion]. Auffälligkeiten, etwa ein Ergebnis mit vertraulichen Angaben an der falschen Stelle, melden wir dort. Meldungen helfen uns, besser zu werden.

      11. Überprüfung. Wir überprüfen diese Richtlinie mindestens einmal im Jahr und bei wesentlichen Änderungen der Werkzeuge oder der Rechtslage.

      Anlage 1: Liste der freigegebenen Werkzeuge. Anlage 2: Datenklassen mit Beispielen.

      Das Muster bewusst kurz zu halten, hat einen Grund: Eine Richtlinie wirkt, wenn sie gelesen wird. Ausführliche Regeln für einzelne Werkzeuge oder Abteilungen lassen sich als ergänzende Hinweise anhängen, ohne den Kern zu verlängern.

      Sollten Mitarbeitende die Richtlinie bestätigen?

      Eine Bestätigung der Kenntnisnahme ist sinnvoll und ergänzt den Nachweis nach Kapitel 05. Am besten verbindet man sie mit der Einführungsschulung, in der die Richtlinie erklärt wird. So wird aus der Unterschrift ein Gespräch über die eigene Arbeit.

      Als Nächstes · Kapitel 08Welche Daten in welches Werkzeug dürfen
      Kapitel 08

      Welche Daten dürfen in welches Werkzeug?

      Vier Datenklassen und die passenden Werkzeuge.

      Die Datenklasse bestimmt das Werkzeug. Mit vier Klassen lässt sich im Alltag schnell entscheiden, welches Werkzeug für eine Aufgabe passt. Beispiele je Klasse machen die Entscheidung greifbar.

      Vier Datenklassen und ihre WerkzeugeÖffentlich, intern, vertraulich und streng vertraulich, jeweils mit den passenden Werkzeugen.ÖffentlichAlle freigegebenen WerkzeugeInternUnternehmenskonto mit GeschäftskundenvertragVertraulichAuftragsverarbeitung in der EU oder lokalStreng vertraulichLokale Modelle, Freigabe im Einzelfall
      Vier Datenklassen und ihre WerkzeugeÖffentlich, intern, vertraulich und streng vertraulich, jeweils mit den passenden Werkzeugen.ÖffentlichAlle freigegebenen WerkzeugeInternUnternehmenskonto mitGeschäftskundenvertragVertraulichAuftragsverarbeitung in der EU oderlokalStreng vertraulichLokale Modelle, Freigabe imEinzelfall
      Die Datenklasse bestimmt das Werkzeug.
      DatenklasseBeispielePassende Werkzeuge
      ÖffentlichVeröffentlichte Texte, Produktbeschreibungen, allgemeine FragenAlle freigegebenen Werkzeuge
      InternInterne Abläufe, Entwürfe ohne Personenbezug, Protokolle ohne NamenFreigegebene Werkzeuge mit Unternehmenskonto und Geschäftskundenvertrag
      VertraulichKundendaten, Angebote, Verträge, PersonaldatenWerkzeuge mit Auftragsverarbeitungsvertrag und Verarbeitung in der EU, oder lokale Modelle
      Streng vertraulichGeschäftsgeheimnisse, Gesundheitsdaten, VorstandsunterlagenLokale Modelle im eigenen Haus, nach Freigabe im Einzelfall

      Für personenbezogene Daten gelten zusätzlich die Regeln der DSGVO: eine Rechtsgrundlage, ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit dem Anbieter und Datensparsamkeit. Für die beiden oberen Klassen bieten sich lokale Modelle an, bei denen die Daten das Haus nicht verlassen. Wie das funktioniert, zeigt unsere Seite zu lokaler KI.

      Was ist mit Geschäftskundenverträgen der großen Anbieter?

      Geschäftskundenverträge bieten in der Regel wichtige Zusagen: keine Nutzung der Eingaben zum Training, Verarbeitung nach Vertrag, oft mit Wahl des Verarbeitungsorts. Damit eignen sie sich für interne und je nach Vertrag auch für vertrauliche Daten. Prüfen Sie die Zusagen im konkreten Vertrag.

      Wie geht man mit Kundendaten in Anweisungen um?

      So sparsam wie möglich. Oft lässt sich eine Aufgabe auch mit Platzhaltern lösen, etwa „Kunde A“ statt des Namens. Wo Kundendaten gebraucht werden, kommen nur Werkzeuge der passenden Klasse zum Einsatz.

      Als Nächstes · Kapitel 09Wann KI-Einsatz offengelegt wird
      Kapitel 09

      Wann muss der Einsatz von KI offengelegt werden?

      Die Pflichten für Betreiber nach Artikel 50.

      Offengelegt wird dort, wo Menschen sonst getäuscht werden könnten. Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 gelten seit dem 2. August 2026. Für Betreiber knüpfen sie am Verwendungszweck an.

      • Chatbots und Sprachassistenten. Wer mit einem KI-System kommuniziert, soll das erkennen können.
      • Deepfakes. Künstlich erzeugte oder veränderte Bilder, Videos und Tonaufnahmen, die echt wirken, werden als solche gekennzeichnet.
      • Texte zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse. Wer KI-erzeugte Texte veröffentlicht, um die Öffentlichkeit über solche Angelegenheiten zu informieren, legt das offen, sofern keine redaktionelle Prüfung erfolgt.
      • Maschinenlesbare Markierung. Die technische Markierung erzeugter Inhalte ist eine Pflicht der Anbieter. Für bestehende Systeme endet die Übergangsfrist am 2. Dezember 2026.

      Ein mit KI vorbereitetes Angebot, ein intern zusammengefasstes Protokoll oder ein Produkttext im eigenen Shop sind in der Regel keine Information der Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse. Eine klare Regel in der Richtlinie schafft hier Sicherheit und hält die Kennzeichnung für die Fälle frei, in denen sie Orientierung gibt. Mehr dazu im Fachbeitrag zum AI Omnibus.

      Was sollten Betreiber bei ihren Anbietern erfragen?

      Ob die eingesetzten Werkzeuge erzeugte Inhalte maschinenlesbar markieren, und wenn ja, ab wann. Für die meisten Unternehmen besteht die Aufgabe zum 2. Dezember 2026 genau in dieser Nachfrage bei den Lieferanten ihrer Werkzeuge.

      Als Nächstes · Kapitel 10Wie die Richtlinie eingeführt wird
      Kapitel 10

      Wie führt man Richtlinie und Schulung erfolgreich ein?

      Gute Werkzeuge bereitstellen, beteiligen, erklären.

      Eine Richtlinie wirkt am besten zusammen mit einem guten Angebot. Wenn Mitarbeitende freigegebene Werkzeuge mit Unternehmenskonto erhalten, nutzen sie diese gern, und die Richtlinie beschreibt den sicheren Weg, den sie ohnehin gehen möchten.

      Richtlinie und Schulung einführenBestand aufnehmen, Werkzeuge bereitstellen, Betriebsrat beteiligen, Einführung mit Schulung verbinden.1BestandWelche Werkzeugewerden heutegenutzt?2WerkzeugeGefragteAnwendungen mitFirmenkonto3BetriebsratFrüh beteiligen,Regeln gemeinsamerarbeiten4SchulungRichtlinie undWerkzeuge imselben Termin
      Richtlinie und Schulung einführenBestand aufnehmen, Werkzeuge bereitstellen, Betriebsrat beteiligen, Einführung mit Schulung verbinden.1BestandWelche Werkzeugewerden heutegenutzt?2WerkzeugeGefragteAnwendungen mitFirmenkonto3BetriebsratFrüh beteiligen,Regeln gemeinsamerarbeiten4SchulungRichtlinie undWerkzeuge imselben Termin
      Eine Richtlinie wirkt am besten zusammen mit einem guten Angebot.
      1. Bestand aufnehmen. Welche Werkzeuge werden heute genutzt, auch privat für dienstliche Aufgaben? Diese Frage ohne Vorwurf zu stellen, bringt die ehrlichsten Antworten.
      2. Werkzeuge bereitstellen. Die gefragtesten Anwendungen mit Unternehmenskonto und passendem Vertrag anbieten.
      3. Betriebsrat früh beteiligen. Gemeinsam erarbeitete Regeln tragen besser und lassen sich schneller einführen.
      4. Einführung mit Schulung verbinden. Richtlinie und Werkzeuge werden im selben Termin erklärt und geübt.
      5. Ansprechperson benennen. Eine Stelle für Fragen, Vorschläge und Meldungen.

      Warum ein gutes Angebot wirksamer ist als jedes Verbot, zeigt unser Fachbeitrag zur Schatten-KI. Wie die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat gut gelingt, beschreibt der Beitrag zu Betriebsrat und KI.

      Wie lange dauert die Einführung?

      Das hängt vor allem an der Abstimmung im Haus. Mit einem Muster als Ausgangspunkt, einer kleinen Arbeitsgruppe und früher Beteiligung des Betriebsrats lassen sich Richtlinie und erste Schulungen zügig umsetzen. Den genauen Plan legen wir gemeinsam im Scoping fest.

      Als Nächstes · Kapitel 11Wie die Richtlinie aktuell bleibt
      Kapitel 11

      Wie bleibt die Richtlinie aktuell?

      Ein fester Termin im Jahr und kurze Wege für Änderungen.

      Werkzeuge und Rechtslage bewegen sich, die Richtlinie bewegt sich mit. Ein fester Termin im Jahr und ein einfacher Weg für Vorschläge halten sie aktuell, ohne viel Aufwand.

      • Jährliche Überprüfung. Richtlinie, Anlagen und Schulungsinhalte werden gemeinsam angesehen und angepasst.
      • Anlage 1 laufend pflegen. Neue Werkzeuge kommen nach Prüfung hinzu, abgelöste werden entfernt.
      • Rückmeldungen sammeln. Fragen aus Schulungen und Meldungen an die Ansprechperson zeigen, wo die Richtlinie klarer werden kann.
      • Rechtslage beobachten. Die nächsten Stufen des AI Act, Leitlinien der Kommission und Hinweise der Aufsicht fließen bei der nächsten Überprüfung ein.

      Wir halten diese Wissensdatenbank und unsere Fachbeiträge zum AI Act aktuell. Wer ein KI-System im Betrieb verantwortet, findet in Baustein 10 die passenden Routinen für Prüfung, Kennzahlen und Modellwechsel.

      Wer ist für die Pflege zuständig?

      Die Ansprechperson aus Abschnitt 10 der Richtlinie, unterstützt von IT und Datenschutz. Wichtig ist eine klare Zuständigkeit mit einem festen Termin im Kalender. Dann bleibt die Richtlinie ein lebendiges Dokument, das den Alltag gut begleitet.

      Unsere Bauweise

      Wir schulen an Ihren eigenen Aufgaben, mit Ihrer Richtlinie und Ihren Werkzeugen.

      So entsteht Kompetenz, die am nächsten Tag im Alltag wirkt, und ein Nachweis, der jede Nachfrage beantwortet.

      Häufige Fragen

      Fragen zu KI-Richtlinie und KI-Kompetenz

      Was verlangt Artikel 4 des EU AI Act nach dem AI Omnibus?

      Anbieter und Betreiber von KI-Systemen treffen Maßnahmen, um den Aufbau von KI-Kompetenz bei ihren Beschäftigten und bei Personen, die in ihrem Auftrag mit den Systemen arbeiten, zu unterstützen. Seit dem AI Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744, ist das eine Pflicht zur Unterstützung statt zur Sicherstellung eines bestimmten Niveaus. Dokumentieren Sie, was Sie tun; der Nachweis der Maßnahmen ist der Kern der Pflicht.

      Braucht jedes Unternehmen eine KI-Richtlinie?

      Jedes Unternehmen, in dem Mitarbeitende KI nutzen, profitiert davon. Eine Richtlinie gibt Sicherheit im Alltag, klärt den Umgang mit Daten und zeigt, welche Werkzeuge bereitstehen. Sie ist außerdem ein wichtiger Baustein, um die Bemühungen um KI-Kompetenz zu belegen. Zwei bis vier Seiten genügen für den Anfang.

      Wie umfangreich muss eine KI-Schulung sein?

      Einen gesetzlich festgelegten Mindestumfang gibt es nicht. Wirksam sind kurze Formate am eigenen Vorgang, zugeschnitten auf die Aufgaben der Gruppe, mit einer regelmäßigen Auffrischung. Wer intensiver mit KI arbeitet oder Verantwortung für ein System trägt, erhält eine Vertiefung.

      Muss der Betriebsrat bei einer KI-Richtlinie beteiligt werden?

      In vielen Fällen ja, etwa wenn Werkzeuge Verhalten oder Leistung auswertbar machen oder Regeln zum Verhalten im Betrieb aufgestellt werden. Eine frühe Beteiligung macht die Einführung leichter und die Richtlinie besser. Für den Einzelfall empfiehlt sich rechtlicher Rat.

      Wie geht man mit privaten KI-Konten der Mitarbeitenden um?

      Am wirksamsten mit einem guten Angebot. Wer freigegebene Werkzeuge mit Unternehmenskonto bereitstellt, gibt Mitarbeitenden einen sicheren Weg für ihre Arbeit. Die Richtlinie legt dann fest, dass dienstliche Daten über diese Konten verarbeitet werden. Mehr dazu im Fachbeitrag zur Schatten-KI.

      Was kostet die Begleitung bei Richtlinie und Schulung?

      Das hängt von Größe und Zahl der Gruppen ab. Das Erstgespräch ist kostenfrei. Im Scoping-Workshop für 1.500 Euro, der bei Beauftragung verrechnet wird, nehmen wir die genutzten Werkzeuge auf, klären Datenklassen und Gruppen und planen Richtlinie und Schulungen.

      Vertiefung

      Welche Beiträge vertiefen dieses Thema?

      Fachbeiträge mit Stand der Angaben und Quellen, die einzelne Kapitel dieser Seite weiterführen.

      Nächster Schritt

      Wie gut ist Ihr Team auf KI vorbereitet?

      Im Erstgespräch schauen wir auf Ihre Werkzeuge, Ihre Gruppen und Ihre Datenlage. Sie erhalten eine Einschätzung, wie Richtlinie und Schulungen für Ihr Haus aussehen können.