Abläufe automatisieren
Workflow, RPA und KI, jeweils dort, wo sie am stärksten sind
Viele Abläufe lassen sich heute ganz oder in großen Teilen automatisieren. Die Kunst liegt in der Wahl des passenden Werkzeugs für jeden Schritt. Diese Seite erklärt die drei Wege, zeigt, wie Abläufe aufgenommen und ausgewählt werden, und wie Freigaben, Ausnahmen und Erfolgsmessung gelingen.
Warum lohnt der Blick auf jeden einzelnen Schritt?
Weil ein Ablauf aus Schritten mit unterschiedlichen Stärken besteht. Das Lesen einer E-Mail braucht Verständnis, das Prüfen einer Summe eine feste Regel, das Eintragen in ein Altsystem eine Hand an der Oberfläche. Für jede dieser Aufgaben gibt es ein Werkzeug, das sie hervorragend erledigt.
Workflow-Automatisierung, RPA und KI sind diese drei Werkzeuge. Zusammen decken sie nahezu jeden wiederkehrenden Ablauf ab, vom Rechnungseingang über die Auftragserfassung bis zur Antwort an Kunden. Wer sie gezielt kombiniert, erhält Lösungen, die schnell, zuverlässig und im Betrieb günstig sind.
Diese Seite führt durch die Entscheidung: was die drei Wege unterscheidet, welcher zu welchem Ablauf passt, wie ein Ablauf aufgenommen und ausgewählt wird, wie die Wege zusammenspielen, wie Systeme angebunden werden, wo der Mensch beteiligt bleibt, wie Ausnahmen behandelt werden, welche Werkzeuge es gibt, wie der Erfolg gemessen wird und in welchen Schritten ein Vorhaben entsteht.
- Drei Wege der Automatisierung
- Welcher Weg zu welchem Ablauf passt
- Wie ein Ablauf aufgenommen wird
- Welche Abläufe sich zuerst eignen
- Wie die drei Wege zusammenarbeiten
- Schnittstelle oder Oberfläche
- Wo der Mensch beteiligt bleibt
- Wie Ausnahmen behandelt werden
- Welche Werkzeuge es gibt
- Wie der Erfolg gemessen wird
- In welchen Schritten es entsteht
Was unterscheidet Workflow, RPA und KI?
Drei Werkzeuge mit drei Stärken.
Workflow verbindet, RPA bedient, KI versteht. Mit diesen drei Verben ist der Unterschied beschrieben. Jeder Weg hat einen Bereich, in dem er am besten arbeitet, und die stärksten Lösungen verbinden sie.
| Weg | Arbeitsweise | Stark bei | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Workflow | Verbindet Systeme über Schnittstellen nach festen Regeln | Klar geregelte Abläufe mit strukturierten Daten | Neue Bestellung im Shop legt Auftrag im ERP an und informiert das Lager |
| RPA | Bedient Programme über die Oberfläche, wie ein Mensch mit Maus und Tastatur | Systeme ohne Schnittstelle, gleichbleibende Masken | Daten aus einem Altsystem in ein Portal eines Kunden übertragen |
| KI | Versteht Texte, Bilder und Sprache und trifft Einschätzungen | Unstrukturierte Eingänge und Entscheidungen mit Ermessen | E-Mail lesen, Anliegen erkennen, Kundennummer und Frist herausziehen |
Ein Workflow ist das Rückgrat der meisten Automatisierungen. Er reagiert auf ein Ereignis, holt Daten aus einem System, prüft Regeln und schreibt das Ergebnis in ein anderes System. Weil er über Schnittstellen arbeitet, ist er schnell, genau und im Betrieb günstig.
RPA steht für Robotic Process Automation. Ein Software-Roboter klickt sich durch Masken, liest Felder aus und trägt Werte ein. Das ist der passende Weg für Systeme, die keine Schnittstelle anbieten, etwa ältere Branchenlösungen oder Portale von Kunden und Behörden.
KI ergänzt beide um das Verstehen. Sie liest eine E-Mail und erkennt das Anliegen, zieht aus einem Lieferschein die Positionen heraus oder ordnet eine Reklamation einer Ursache zu. Aus unstrukturierten Eingängen werden so Daten, mit denen Workflow und RPA weiterarbeiten.
Wo stehen KI-Agenten in diesem Bild?
Ein KI-Agent ist eine KI, die selbst entscheidet, welche Schritte sie in welcher Reihenfolge ausführt. Das passt für Aufgaben mit wechselndem Verlauf, etwa Recherchen oder Rückfragen an mehrere Stellen. Für wiederkehrende Abläufe mit festem Muster ist der Workflow mit KI-Schritten meist die robustere und günstigere Wahl. Mehr dazu im Fachbeitrag zu KI-Agenten in der Praxis.
Ist Automatisierung nur etwas für große Unternehmen?
Gerade im Mittelstand wirkt sie stark, weil wenige Personen viele verschiedene Aufgaben tragen. Jeder automatisierte Ablauf gibt diesen Personen Zeit für die Arbeit zurück, die Erfahrung und Urteil braucht. Moderne Werkzeuge machen den Einstieg auch bei kleineren Mengen wirtschaftlich.
Welcher Weg passt zu welchem Ablauf?
Sechs Merkmale, an denen sich die Wahl entscheidet.
Die Wahl folgt dem Ablauf, nicht dem Werkzeug. Drei Fragen klären das meiste: Wie kommt der Eingang an? Wie erreicht man das Zielsystem? Und folgt die Entscheidung festen Regeln oder braucht sie Ermessen?
| Merkmal des Ablaufs | Passender Weg | Warum |
|---|---|---|
| Eingang ist strukturiert (Formular, Datensatz, E-Rechnung) | Workflow | Die Daten liegen schon in Feldern vor |
| Eingang ist Freitext, Scan oder Anhang | KI, dann Workflow | KI macht aus dem Text Felder, der Workflow verarbeitet sie |
| Zielsystem hat eine Schnittstelle | Workflow | Stabil, schnell, unabhängig von Änderungen an der Oberfläche |
| Zielsystem hat nur eine Oberfläche | RPA | Die Brücke, bis eine Schnittstelle verfügbar ist |
| Entscheidung folgt festen Regeln | Workflow | Regeln sind nachvollziehbar und exakt prüfbar |
| Entscheidung braucht Ermessen | KI mit Freigabe | Die KI schlägt vor, ein Mensch bestätigt, bis die Qualität belegt ist |
Die Tabelle zeigt ein Muster, das sich in fast allen Vorhaben wiederholt. Ein Ablauf besteht aus mehreren Schritten, und die Schritte haben unterschiedliche Merkmale. Deshalb ist die Antwort selten ein einzelner Weg, sondern eine Kombination, bei der jeder Schritt das Werkzeug erhält, das zu ihm passt.
Eine hilfreiche Faustregel für die Reihenfolge: zuerst prüfen, was ein fester Workflow leisten kann, dann KI dort ergänzen, wo verstanden werden muss, und RPA dort einsetzen, wo eine Schnittstelle fehlt. So entsteht die einfachste Lösung, die den Ablauf vollständig trägt.
Kann man mit einem Weg beginnen und später erweitern?
Ja, und das ist oft der beste Einstieg. Viele Vorhaben beginnen mit einem Workflow für den Normalfall. Sobald dieser läuft, zeigt der Ausnahmekorb, welche Fälle eine KI-Stufe übernehmen könnte. Jede Erweiterung baut auf einem Ablauf auf, der bereits Wirkung zeigt.
Wie verhält sich das zur E-Rechnung?
Die E-Rechnung ist ein gutes Beispiel für den Wandel. Wo früher KI einen PDF-Beleg lesen musste, kommen die Angaben als strukturierter Datensatz an, und ein Workflow kann sie direkt verarbeiten. Die KI wandert dann an die Stellen mit Ermessen, etwa die Zuordnung zu Bestellung und Kostenstelle. Details dazu stehen in Baustein 13.
Wie wird ein Ablauf für die Automatisierung aufgenommen?
Sechs Angaben, die vor jeder Umsetzung feststehen.
Eine gute Prozessaufnahme ist die halbe Automatisierung. Sie zeigt, wie der Ablauf wirklich läuft, mit allen Abkürzungen und Sonderwegen, die sich im Alltag bewährt haben. Genau dieses Wissen macht die spätere Lösung treffsicher.
| Angabe | Leitfrage | Was festgehalten wird |
|---|---|---|
| Auslöser | Was startet den Ablauf? | E-Mail, Formular, Termin, Datensatz, Anruf |
| Schritte | Was geschieht in welcher Reihenfolge? | Jeder Schritt mit Person und System |
| Entscheidungen | Wo wird verzweigt und nach welcher Regel? | Schwellen, Zuständigkeiten, Freigaben |
| Ausnahmen | Was kommt vor, das nicht dem Normalfall folgt? | Die fünf häufigsten, mit Beispiel |
| Mengen | Wie oft, wie viel, zu welchen Zeiten? | Vorgänge je Monat, Spitzenzeiten, Anteil der Ausnahmen |
| Ergebnis | Woran erkennt man, dass der Ablauf fertig ist? | Buchung, Versand, Ablage, Rückmeldung |
Am ergiebigsten ist die Aufnahme am Arbeitsplatz. Eine Person zeigt den Ablauf an echten Fällen, eine zweite schreibt mit. So werden auch die Schritte sichtbar, die niemand erwähnt, weil sie selbstverständlich geworden sind: der Blick in eine zweite Liste, die kurze Rückfrage beim Kollegen, die Notiz im Kommentarfeld.
Die Mengen sind der Teil, der später die Wirtschaftlichkeit trägt. Wer weiß, wie viele Vorgänge im Monat anfallen und wie viele davon Ausnahmen sind, kann den Nutzen vor dem Start rechnen und nach dem Start belegen. Wie das im Einzelnen geht, zeigt unser Fachbeitrag zur Wirkungsmessung.
Muss der Ablauf vor der Automatisierung verbessert werden?
Oft ergibt sich das von selbst. Bei der Aufnahme fallen Schritte auf, die sich zusammenfassen oder weglassen lassen. Diese Verbesserung vorher umzusetzen, macht die Automatisierung einfacher und günstiger. Wie wir Abläufe gemeinsam mit den Fachbereichen verbessern, beschreibt unsere Seite zur Prozessoptimierung.
Wer sollte bei der Aufnahme dabei sein?
Die Personen, die den Ablauf täglich ausführen, und eine Person, die über Änderungen entscheiden darf. Die einen kennen die Wirklichkeit, die andere kann Regeln festlegen, wenn die Aufnahme zeigt, dass zwei Kolleginnen denselben Fall unterschiedlich behandeln.
Welche Abläufe eignen sich für den Anfang?
Sechs Kriterien für einen Einstieg mit schnellem Ergebnis.
Der beste erste Ablauf ist häufig, gleichförmig und gut messbar. Er liefert schnell sichtbare Entlastung, und sein Erfolg schafft Vertrauen für die nächsten Vorhaben.
| Kriterium | Gute Kandidaten erkennt man daran, dass |
|---|---|
| Häufigkeit | Der Ablauf kommt täglich oder wöchentlich vor, in spürbarer Menge |
| Gleichförmigkeit | Der größte Teil der Fälle folgt demselben Muster |
| Datenlage | Die nötigen Angaben liegen digital vor oder lassen sich zuverlässig lesen |
| Messbarkeit | Dauer, Menge und Nacharbeit lassen sich heute schon zählen |
| Überschaubare Folgen | Ein Fehler lässt sich erkennen und korrigieren, bevor er nach außen wirkt |
| Rückhalt | Die Abteilung wünscht sich die Entlastung und stellt eine Ansprechperson |
Typische erste Kandidaten im Mittelstand sind der Rechnungseingang, die Verteilung eingehender E-Mails an Zuständige, die Übernahme von Bestellungen aus Mails und Portalen, das Anlegen von Stammdaten, Terminbestätigungen und Statusauskünfte an Kunden. Allen gemeinsam ist ein klarer Anfang, ein klares Ende und eine spürbare Menge dazwischen.
Welche Einsatzfelder im gesamten Unternehmen in Frage kommen und wie sie sich bewerten lassen, beschreibt Baustein 04. Für den Rechnungseingang gibt es einen eigenen Fachbeitrag.
Wie vergleicht man mehrere Kandidaten?
Mit einer einfachen Tabelle: je Ablauf die Menge im Monat, die heutige Bearbeitungszeit je Fall, der geschätzte Anteil der Normalfälle und die Zahl der beteiligten Systeme. Die ersten drei Werte ergeben das Potenzial, der vierte den Aufwand. Ganz oben landet der Ablauf mit dem besten Verhältnis.
Was ist mit Abläufen, die selten, aber sehr aufwendig sind?
Die sind oft gute Kandidaten für eine Unterstützung statt einer vollständigen Automatisierung. Eine KI, die einen Jahresabschlussordner vorsortiert oder eine Ausschreibung zusammenfasst, spart viel Zeit, auch wenn der Ablauf nur wenige Male im Jahr vorkommt.
Wie arbeiten Workflow, RPA und KI zusammen?
Ein Beispiel vom Posteingang bis zur Buchung.
Jeder Schritt erhält das Werkzeug, das zu ihm passt. Am Beispiel einer Lieferantenrechnung als PDF-Anhang wird sichtbar, wie die drei Wege ineinandergreifen.
- Eingang. Ein Workflow überwacht das Rechnungspostfach und nimmt jeden Anhang auf.
- Lesen. KI erkennt Lieferant, Rechnungsnummer, Beträge, Positionen und Bestellbezug. Bei einer E-Rechnung liest der Workflow die Felder direkt.
- Abgleich. Der Workflow sucht die Bestellung im ERP und vergleicht Mengen und Preise nach festen Regeln.
- Einschätzung. Bei Abweichungen schlägt die KI eine Ursache und eine Kostenstelle vor.
- Freigabe. Passende Rechnungen gehen direkt in die Buchung, abweichende an die zuständige Person, mit allen Angaben.
- Übertragung. Hat das Buchhaltungssystem keine Schnittstelle, trägt RPA die Werte ein.
Dasselbe Muster trägt viele andere Abläufe: eine Stufe, die aus unstrukturierten Eingängen Daten macht, eine Stufe mit festen Regeln und eine Stufe, die das Ergebnis ins Zielsystem bringt. Wer dieses Muster einmal umgesetzt hat, kann es für den nächsten Ablauf wiederverwenden.
Wer steuert das Zusammenspiel?
Eine Orchestrierung, meist die Workflow-Plattform selbst. Sie ruft die KI als einzelnen Schritt auf, startet bei Bedarf einen RPA-Roboter und hält den Überblick über jeden Vorgang. So gibt es einen Ort, an dem der Status jedes Falls sichtbar ist.
Wie zuverlässig liest KI Belege heute?
Moderne Modelle lesen gängige Belege sehr zuverlässig. Für den Betrieb zählt aber die Kombination: Die KI liest, feste Regeln prüfen Summen, Steuersätze und Bestellbezug, und Auffälligkeiten gehen an einen Menschen. Diese Prüfkette macht den Ablauf sicher, auch bei ungewöhnlichen Belegen.
Schnittstelle oder Oberfläche: wie wird ein System angebunden?
Die Anbindung bestimmt Stabilität und Aufwand im Betrieb.
Die Schnittstelle ist der bevorzugte Weg, die Oberfläche die bewährte Brücke. Eine Schnittstelle liefert Daten in fester Form und bleibt stabil, auch wenn sich die Masken des Programms ändern. RPA arbeitet dort, wo es keine Schnittstelle gibt, und macht auch solche Systeme für die Automatisierung zugänglich.
- Schnittstelle vorhanden und dokumentiert. Direkte Anbindung durch den Workflow. Das ist der Normalfall bei modernen ERP-, CRM- und Shopsystemen.
- Schnittstelle vorhanden, aber eingeschränkt. Anbindung über die Schnittstelle, ergänzt um einen Import über Dateien für die fehlenden Teile.
- Keine Schnittstelle. RPA über die Oberfläche, mit stabilen Erkennungsmerkmalen und einer Prüfung nach jedem Eintrag.
- Neue Standards. Das Model Context Protocol erlaubt es KI-Anwendungen, Werkzeuge und Datenquellen einheitlich anzusprechen. Für KI-Schritte in Abläufen wird es zunehmend zum Standard.
Ein Tipp aus vielen Projekten: Fragen Sie beim Anbieter Ihres Systems nach, welche Schnittstellen es gibt. Oft sind mehr vorhanden als bekannt, oder sie lassen sich als Zusatzmodul freischalten. Das spart im Betrieb deutlich mehr, als es in der Einrichtung kostet.
Wie stabil ist RPA im Alltag?
Sehr stabil, solange die Oberfläche gleich bleibt. Damit Updates des Zielsystems reibungslos laufen, gehören drei Dinge zum Betrieb: ein Testlauf nach jedem Update, eine Prüfung nach jedem Eintrag und eine Meldung, sobald ein Feld nicht gefunden wird. So fällt eine Änderung sofort auf und ist schnell angepasst.
Dürfen Roboter mit persönlichen Zugängen arbeiten?
Ein Roboter erhält einen eigenen, technischen Zugang mit genau den Rechten, die er braucht. Das macht im Protokoll sichtbar, welche Einträge vom Roboter stammen, und hält die Zugänge der Mitarbeitenden sauber getrennt.
Wo bleibt der Mensch beteiligt?
Vier Freigabestufen, die mit der belegten Qualität wachsen.
Vertrauen wächst mit Belegen. Jede Automatisierung mit KI beginnt mit einer Stufe, in der ein Mensch jeden Vorschlag sieht. Sobald die Zahlen zeigen, dass die Vorschläge tragen, geht der Ablauf eine Stufe weiter.
| Stufe | Was das System tut | Wann sie passt |
|---|---|---|
| Vorschlag | Die KI bereitet vor, ein Mensch prüft jeden Fall und gibt frei | Start jedes Vorhabens, Vorgänge mit Außenwirkung |
| Stichprobe | Das System arbeitet selbstständig, ein Mensch prüft eine feste Auswahl | Nach belegter Qualität, bei internen Vorgängen |
| Schwelle | Sichere Fälle laufen durch, unsichere gehen an einen Menschen | Bei klarer Einschätzung der eigenen Sicherheit |
| Vollautomatisch | Das System arbeitet allein, Auffälligkeiten werden gemeldet | Regelbasierte Schritte mit strukturierten Daten |
Das Prinzip heißt Human in the Loop. Es sorgt dafür, dass die Menschen im Fachbereich die Kontrolle behalten und gleichzeitig spürbar entlastet werden. Die Entscheidung, eine Stufe weiterzugehen, trifft der Fachbereich auf Grundlage der Kennzahlen aus Kapitel 10.
Für die Mitarbeitenden ändert sich die Arbeit dabei zum Besseren. Statt Daten abzutippen, prüfen sie Vorschläge und kümmern sich um die Fälle, die ihr Urteil brauchen. Dieser Wandel gelingt am besten, wenn er offen besprochen wird, auch mit dem Betriebsrat. Wie das gut funktioniert, beschreibt unser Fachbeitrag zu Betriebsrat und KI.
Wie erkennt ein System, dass es unsicher ist?
Durch Prüfregeln und eine eigene Einschätzung. Feste Regeln prüfen, ob Summen stimmen und Pflichtfelder gefüllt sind. Zusätzlich kann die KI angeben, wie sicher sie sich bei einem Feld ist. Beides zusammen entscheidet, ob ein Fall durchläuft oder an einen Menschen geht.
Was verlangt der EU AI Act für solche Abläufe?
Für die meisten Automatisierungen in Verwaltung und Buchhaltung gelten die allgemeinen Pflichten, vor allem die Förderung der KI-Kompetenz der Beteiligten. Strengere Regeln gelten für Hochrisiko-Bereiche wie Personalauswahl. Einen Überblick gibt Baustein 14.
Wie werden Ausnahmen behandelt?
Der Ausnahmekorb als Motor der Verbesserung.
Jeder Ablauf hat Ausnahmen, und ein guter Ablauf plant sie ein. Fälle, die das System nicht sicher bearbeiten kann, gehen geordnet an einen Menschen, mit allem, was bereits bekannt ist. Das hält den Normalfall schnell und die Ausnahme gut bearbeitbar.
- Ein Ausnahmekorb. Ein fester Ort, an dem alle offenen Fälle liegen, mit Grund, bisherigen Angaben und Frist.
- Eine Ursache je Fall. Jede Ausnahme erhält eine kurze Begründung aus einer festen Liste: fehlende Bestellung, unleserlicher Beleg, neuer Lieferant und so weiter.
- Eine monatliche Auswertung. Die häufigsten Ursachen werden angesehen. Viele lassen sich mit einer neuen Regel oder einer Stammdatenpflege dauerhaft lösen.
- Ein Rückweg. Bearbeitete Ausnahmen laufen in den normalen Ablauf zurück und werden dort zu Ende geführt.
So wird der Ausnahmekorb zum Motor der Verbesserung. Mit jeder Runde wandert ein weiterer Fall in den automatischen Teil, und der Anteil der Vorgänge ohne Eingriff steigt. Diese Entwicklung ist planbar und in den Kennzahlen sichtbar.
Was passiert, wenn ein Zielsystem nicht erreichbar ist?
Der Vorgang wartet in einer Warteschlange und wird automatisch erneut versucht. Nach einer festgelegten Zahl von Versuchen geht eine Meldung an die zuständige Person. Kein Vorgang geht verloren, und nach der Störung läuft alles in der richtigen Reihenfolge weiter.
Wie verhindert man doppelte Verarbeitung?
Jeder Vorgang erhält beim Eingang eine eindeutige Kennung, und jeder Schritt prüft, ob er für diese Kennung bereits ausgeführt wurde. Das ist eine einfache Regel mit großer Wirkung, gerade bei Rechnungen und Bestellungen.
Welche Werkzeuge gibt es für die Automatisierung?
Vier Werkzeugklassen und wie man zwischen ihnen wählt.
Die Werkzeuglandschaft ist reif und vielfältig. Für fast jeden Bedarf gibt es bewährte Lösungen, als Cloud-Dienst oder zum Betrieb auf eigenen Servern. Die Wahl richtet sich nach Ihren Systemen, Ihrer IT und Ihren Anforderungen an den Datenschutz.
- Workflow-Plattformen. Werkzeuge wie n8n, Make oder Microsoft Power Automate verbinden Systeme über fertige Bausteine. n8n lässt sich auch auf eigenen Servern betreiben.
- RPA-Plattformen. Lösungen wie UiPath oder die RPA-Funktionen von Power Automate bedienen Oberflächen und bringen Verwaltung und Protokoll für Roboter mit.
- KI-Bausteine. Sprachmodelle über eine Schnittstelle, Dienste zur Belegerkennung und lokale Modelle für vertrauliche Daten.
- Funktionen im eigenen System. Viele ERP-, DMS- und Buchhaltungssysteme bringen eigene Automatisierungen mit, die sich gut mit einer Plattform ergänzen.
Eine Orientierung: Was im führenden System selbst gut lösbar ist, bleibt dort. Was mehrere Systeme verbindet, gehört auf eine Plattform. So bleibt die Lösung übersichtlich, und jede Regel steht an genau einer Stelle. Einen ausführlichen Überblick über KI-Werkzeuge gibt Baustein 03.
Cloud oder eigener Server?
Beides ist möglich. Cloud-Plattformen starten schnell und werden vom Anbieter gepflegt. Eigene Server behalten alle Daten im Haus und passen zu Abläufen mit vertraulichen Inhalten. Für KI-Schritte mit sensiblen Daten bietet sich ein Modell auf eigener Hardware an, wie auf unserer Seite zu lokaler KI beschrieben.
Wie vermeidet man Abhängigkeit von einem Anbieter?
Mit drei Festlegungen: Die Abläufe sind dokumentiert, die Regeln liegen lesbar vor, und die Daten bleiben in Ihren Systemen. Dann ist ein Wechsel der Plattform eine überschaubare Aufgabe. Plattformen mit offenem Format erleichtern das zusätzlich.
Wie misst man den Erfolg einer Automatisierung?
Fünf Kennzahlen, vorher und nachher erhoben.
Gemessen wird am Vorgang, nicht am Werkzeug. Die Frage ist, wie schnell, wie zuverlässig und mit wie viel Arbeit ein Vorgang heute läuft und nach der Automatisierung läuft. Der Vergleich beider Werte ist der Nachweis der Wirkung.
| Kennzahl | Was sie zeigt | Woher der Wert kommt |
|---|---|---|
| Durchlaufzeit | Vom Eingang bis zum Ergebnis | Zeitstempel im System, vorher und nachher |
| Automatisierungsquote | Anteil der Fälle, die ohne Handgriff durchlaufen | Protokoll des Ablaufs, je Vorgang ein Vermerk |
| Ausnahmequote | Fälle, die in den Ausnahmekorb gehen | Zähler am Ausnahmekorb, nach Ursache sortiert |
| Nacharbeit | Fälle, die nach dem Durchlauf korrigiert werden | Änderungen im Zielsystem, Rückmeldungen |
| Aufwand je Vorgang | Arbeitszeit und Betriebskosten geteilt durch die Menge | Zeiterfassung und Abrechnung |
Wichtig ist der Ausgangswert. Er wird vor dem Start erhoben, am besten über einige Wochen, damit Schwankungen sichtbar werden. Ohne ihn bleibt die Wirkung eine Schätzung, mit ihm wird sie eine belegte Zahl, die auch die nächste Entscheidung trägt.
Eine ausführliche Anleitung mit Messplan und Vorlage bietet unser Fachbeitrag zur Wirkungsmessung. Wie Kennzahlen im laufenden Betrieb weitergeführt werden, beschreibt Baustein 10.
Welche Kennzahl ist die aussagekräftigste?
Der Anteil der Vorgänge ohne Eingriff, zusammen mit der Nacharbeit. Der erste Wert zeigt, wie viel das System übernimmt, der zweite, ob es das gut macht. Beide zusammen ergeben ein ehrliches Bild der Entlastung.
Wie rechnet man die Einsparung?
Heutige Bearbeitungszeit je Vorgang mal Menge, abzüglich der Zeit für Ausnahmen, Prüfung und Nacharbeit nach der Umstellung, abzüglich der Betriebskosten. Wichtig ist, die gewonnene Zeit einer Aufgabe zuzuordnen, damit die Entlastung im Alltag ankommt.
In welchen Schritten wird ein Ablauf automatisiert?
Vom ersten Gespräch bis zum laufenden Betrieb.
Ein Ablauf, ein Pilot, eine Messung. Dann der nächste. Diese Reihenfolge liefert früh Ergebnisse und baut Schritt für Schritt eine Automatisierung auf, die zu Ihrem Haus passt.
- Erstgespräch. Kostenfrei. Wir sprechen über Ihre Abläufe und finden die Kandidaten mit dem größten Potenzial.
- Scoping. Ein Workshop für 1.500 Euro, bei Beauftragung verrechnet. Wir nehmen den gewählten Ablauf auf, legen die Kennzahlen fest und schätzen den Aufwand.
- Pilot. Ab etwa 5.000 Euro. Der Normalfall läuft automatisiert, mit Freigabe durch einen Menschen und gemessenen Ergebnissen.
- Umsetzung. Ausnahmen, weitere Systeme, höhere Freigabestufen. Je nach Umfang zwischen 10.000 und 150.000 Euro.
- Betrieb. Ausnahmekorb, Kennzahlen, Anpassungen. Auf Wunsch übernehmen wir die Betreuung.
Wie ein Vorhaben beauftragt und vertraglich gestaltet wird, steht in Baustein 07. Wie wir Abläufe über die Automatisierung hinaus verbessern, zeigt unsere Seite zur Prozessoptimierung.
Wie lange dauert es bis zum ersten Ergebnis?
Das hängt vor allem an der Zahl der Systeme und dem Zugang zu ihnen. Ein Pilot für einen klar abgegrenzten Ablauf mit vorhandenen Schnittstellen zeigt in der Regel nach wenigen Wochen erste Zahlen. Den genauen Zeitplan legen wir im Scoping fest.
Was brauchen wir intern für ein solches Vorhaben?
Eine Ansprechperson aus dem Fachbereich, die den Ablauf kennt, Zugänge zu den beteiligten Systemen und eine Person aus der IT für Fragen zu Schnittstellen und Sicherheit. Mit diesen drei Rollen läuft ein Vorhaben zügig und bleibt nah an der Praxis.
Wir wählen das Werkzeug je Schritt, nicht je Projekt.
So erhält jeder Teil Ihres Ablaufs die Lösung, die am besten zu ihm passt, und das Ganze bleibt einfach im Betrieb.
Fragen zur Automatisierung von Abläufen
Was ist der Unterschied zwischen Workflow-Automatisierung, RPA und KI?
Ein Workflow verbindet Systeme über Schnittstellen nach festen Regeln. RPA bedient Programme über ihre Oberfläche, so wie ein Mensch es mit Maus und Tastatur tun würde. KI versteht unstrukturierte Eingänge wie E-Mails, Scans oder Sprache und trifft Einschätzungen. In der Praxis arbeiten die drei oft zusammen: KI liest, der Workflow verteilt, RPA überbrückt Systeme ohne Schnittstelle.
Welcher Ablauf eignet sich für den Anfang?
Ein Ablauf, der häufig vorkommt, meist demselben Muster folgt, dessen Daten digital vorliegen und dessen Ergebnis sich prüfen lässt. Der Rechnungseingang, die Zuordnung eingehender E-Mails und die Übernahme von Bestellungen sind typische Kandidaten. Entscheidend ist außerdem eine Abteilung, die sich die Entlastung wünscht.
Brauchen wir für jede Automatisierung KI?
Für viele Schritte ist ein klassischer Workflow die beste Wahl, weil er exakt, schnell und günstig im Betrieb ist. KI kommt dort ins Spiel, wo Texte verstanden oder Einschätzungen getroffen werden. Die wirtschaftlichste Lösung kombiniert beides und setzt jeden Weg dort ein, wo er seine Stärke hat.
Ist RPA eine dauerhafte Lösung?
RPA ist eine hervorragende Brücke für Systeme, die keine Schnittstelle bieten. Weil sie an der Oberfläche arbeitet, reagiert sie auf Änderungen an Masken und Menüs. Deshalb planen wir RPA mit Blick auf den Tag, an dem eine Schnittstelle verfügbar wird, und bauen den Ablauf so, dass dieser Wechsel leicht fällt.
Was passiert mit Fällen, die das System nicht sicher bearbeiten kann?
Sie landen in einem Ausnahmekorb und werden von einem Menschen bearbeitet, mit allen Angaben, die das System bereits gesammelt hat. Die Ursachen der Ausnahmen werden ausgewertet, und die häufigsten werden in der nächsten Runde mit automatisiert. So wächst der Anteil der automatischen Fälle Schritt für Schritt.
Was kostet die Automatisierung eines Ablaufs?
Das hängt von Zahl der Systeme, Anteil der Ausnahmen und Art der Eingänge ab. Das Erstgespräch ist kostenfrei. Im Scoping-Workshop für 1.500 Euro, der bei Beauftragung verrechnet wird, nehmen wir den Ablauf auf und schätzen den Aufwand. Ein klar abgegrenzter Pilot ist ab etwa 5.000 Euro möglich, Umsetzungsprojekte liegen je nach Umfang zwischen 10.000 und 150.000 Euro.
Welche Beiträge vertiefen dieses Thema?
Fachbeiträge mit Stand der Angaben und Quellen, die einzelne Kapitel dieser Seite weiterführen.
Welcher Ablauf kostet Sie heute die meiste Zeit?
Im Erstgespräch schauen wir auf Ihre wiederkehrenden Abläufe und finden den Kandidaten mit dem größten Potenzial. Sie erhalten eine Einschätzung, welcher Weg passt und wie ein Pilot aussehen kann.